Fakten rund um die Sicherheit deutscher Aufzüge

Kurz notiert!

Viele Menschen bekommen nasse Hände oder Herzrasen, wenn sie einen Fahrstuhl benutzen müssen: Lieber gehen sie ein paar Stockwerke zu Fuß. Denn abzustürzen oder stecken zu bleiben – das sind die Szenen, die sich im Kopf abspielen. Oder die beengte Raumvorstellung, der diese Ängste hervorruft. Dabei sind Aufzüge laut Statistik das sicherste Transportmittel der Welt.   In Deutschland fahren täglich mehrere Millionen Menschen mit Aufzügen. Trotz der stetig wachsenden Zahl an Aufzugsanlagen, kommt es kaum zu Zwischenfällen. Das liegt vor allem an den hohen Sicherheitsstandards in Deutschland.  

Der Fahrstuhl – das sicherste „Nahverkehrsmittel“ Deutschlands

  Die Sicherheit deutscher Aufzüge wird durch strenge Vorschriften gewährleistet. Denn die Liftanlagen werden regelmäßig durch eine zugelassene Überwachungsstelle geprüft. Seit 2015 wird in den Fahrstühlen eine Prüfplakette angebracht, die wie beim TÜV fürs Auto, mit dem Datum der nächsten Prüfung versehen ist. So kann der Aufzugsnutzer sofort sehen, ob sich der Betreiber an die gesetzlichen Bestimmungen hält und ob man Prüfungen regelmäßig durchgeführt hat. Falls die Prüfplakette nicht vorhanden ist, handelt es sich um einen ungeprüften und womöglich nicht gewarteten Aufzug. Hier ist Vorsicht geboten. Es gibt in Deutschland trotz der hohen Auflagen rund 100.000 oftmals veraltete Aufzugsanlagen, die nicht erfasst sind. Dies wird vom VDMA, dem Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau e.V., und von den zugelassenen Überwachungsstellen deutlich kritisiert. Für die Sicherheit ist immer der Betreiber verantwortlich.  

Die qualifizierte Wartung des Fahrstuhls ist Pflicht

Grundsätzlich gilt, dass man den Fahrstuhl in regelmäßigen Abständen wartet und bei Mängeln sofort instand setzt. Hinzu kommen dann noch Modernisierungsmaßnahmen, um den Fahrstuhl auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.   Dabei handelt es sich beispielsweise um gesetzlich geforderte Maßnahmen wie das Zwei-Wege-Kommunikationssystem, das ab 2020 Pflicht wird. Hierbei müssen die Liftanlagen mit einem Fernnotrufsystem ausgestattet sein. Beim Drücken der Notruftaste wird eine automatische Sprechverbindung zu einer Serviceleitstelle hergestellt, die 24 Stunden erreichbar ist. Diese koordiniert dann die nötigen Rettungsmaßnahmen.   Der Betreiber solllte ebenfalls regelmäßig eine Gefährdungsbeurteilung nach der Betriebssicherheitsverordnung durchführen lassen. So stellt man den Bedarf an technischer Nachrüstung gleich fest. Und man kann damit auch rechtzeitig notwendige Modernisierungsmaßnahmen einplanen.  

Die Nachrüstungen der letzten Jahre sorgen für hohen Sicherheitsstandard

Fahrkorbabschlusstüren müssen in allen Personenaufzügen vorhanden sein und wurden überall nachgerüstet. Ein Fahrstuhl, der dieses Sicherheitskriterium nicht erfüllt, darf nicht für Personenbeförderung eingesetzt werden.
Bis 2020 müssen alle Fahrstühle mit dem oben beschriebenen Zwei-Wege-Notrufsystem ausgestattet sein. Oftmals sind diese jedoch schon heute Standard. Ebenfalls zwingend ist eine installierte Notbeleuchtung, die beispielsweise bei einem Stromausfall zur Beruhigung der Fahrgäste funktionieren muss. Man spricht hier auch von Anti-Panik-Beleuchtung.  
Lichtgitter an Aufzugstüren sorgen heutzutage für Sicherheit beim Ein- und Aussteigen. Hier geht die Entwicklung mittlerweile zu 3D-Lichtvorhängen, die vorausschauend auf Ereignisse reagieren können. Stand der Technik ist das 2D-Lichtgitter, das Objekte in der Türöffnung erkennt.   Die Aufzüge stattet man heute außerdem mit einer Sicherung beim Verlassen der Haltestelle bei geöffneten Türen aus. Denn die häufigste Unfälle entstehen beim Ein- und Aussteigen, wenn der Fahrstuhl nicht exakt auf gleicher Höhe öffnet. Die Hersteller haben nun die Anhaltegenauigkeit signifikant erhöht.  
Kurzum, bei der Vielzahl der Sicherheitsmaßnahmen, angefangen von regelmäßiger Wartung, Instandsetzung und Modernisierung bis zu den Überprüfungen mit Prüfplakette, können Sie also ruhigen Gewissens in Deutschland Aufzüge nutzen. Die Innovationskraft und das Verantwortungsbewusstsein der deutschen Hersteller gewährleistet auch in Zukunft einen absolut hohen Sicherheitstandard.
 

Noch eine kleine kuriose Anmerkung zum Schluss:

Wenn Sie Betreiber einer Aufzugsanlage sind, beschallen Sie diese doch mit Aufzugsmusik. Laut einer Studie von 1997 der Wilkes University in Pensylvania und Muzak Ltd in Seattle erhöht dies die Ausschüttung von Immunglobulinen und kann so Erkältungen vorbeugen. Damit sorgen Sie im Fahrstuhl für eine gute Prophylaxe.   Wichtige Menüpunkte im Überblick:   
Quellen: Carl J. Charnetzki, Francis X. Brennan jr. and James F. Harrison: „Effect of music and auditory stimuli on secretory immunoglobulin A(IgA), Perceptual and Motor skills, vol. 87, 1998. Die Statistischen Angaben stammen vom VDMA/2018